Witali Burik
Witali Burik
Sechste Haftstrafe in einer Woche. Zeuge Jehovas aus der Krim — 6 Jahre Straflager wegen seines Glaubens
KrimWitali Burik, 54, ein Zeuge Jehovas aus Kertsch und Vater einer behinderten Tochter, vernahm am 19. Februar 2026 den Schuldspruch. Die Entscheidung wurde von Alexander Kowaljow, Richter am Stadtgericht Kertsch, getroffen. Einige Tage zuvor wurden ähnlich harte Urteile gegen Gläubige in Dmitrow, Twer und Birobidschan verhängt.
Das Gericht schloss am Vortag alle Verfahrensphasen in einer einzigen Sitzung ab – von der Vernehmung der Angeklagten, über die Schlussplädoyers bis hin zum letzten Wort. Der zügige Abschluss des Prozesses nahm der Verteidigung die Möglichkeit, ihre Beweise vorzulegen. Der Richter gab Witali nur 15 Minuten Zeit, um sich auf sein letztes Wort vorzubereiten. Nach Verkündung des Urteils wurde er in Gewahrsam genommen.
Im Herbst 2024 wurde ein Strafverfahren gegen Witali eröffnet. Dem folgten Hausdurchsuchung, Festnahme und Hausarrest. Witali erinnert sich: "Mein Hausarrest ist Hausarrest für die ganze Familie. Die Einschränkungen wirkten sich besonders auf 'unseren Sonnenschein', unsere Tochter, aus. Unsere gemeinsamen Radtouren auf einem speziellen Fahrrad, das auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten ist, Sport an der frischen Luft und am Meer halfen ihr körperlich und seelisch." Witali musste 200 Kilometer für Verhöre und später zu Gerichtsverhandlungen zurücklegen.

"Meine Familie ist mir ein großer Trost und eine Stütze", fuhr er fort, "besonders meine jüngste Tochter. Sie findet immer ermutigende Worte für alle." Witali ist seinen Freunden auch für die Fürsorge gegenüber seiner Familie dankbar: während er unter Hausarrest stand, brachten sie seiner Frau und Tochter Lebensmittel, schenkten ihnen Blumen und Karten, und ihm einen Heimtrainer.
Die Anklage basierte auf schriftlichen Aussagen zweier geheimer Zeugen, in denen sie erklärten, dass Burik die Aktivitäten der aufgelösten juristischen Person von Jehovas Zeugen fortsetzte. Beide gaben jedoch im Prozess zu, dass sie 2017 aufgehört hatten, an religiösen Zusammenkünften der Gemeinde Kertsch teilzunehmen und seitdem keinen Kontakt mehr mit dem Angeklagten hatten. Als der Staatsanwalt ihre eidesstattlichen Erklärungen vorlas, stellte sich heraus, dass Teile des Textes bis hin zu Schreibfehlern identisch waren.
Auf der Krim werden bereits 35 Zeugen Jehovas wegen ihrer religiösen Ansichten verfolgt. Von ihnen erhielten 14 lange Haftstrafen in Strafkolonien; einer wurde kürzlich entlassen, nachdem er seine volle Strafe verbüsst hatte. "Das Beispiel der Brüder und Schwestern von der Krim stärkt und ermuntert mich", sagte Witali. "Im Grunde gehen wir diesen Weg gemeinsam — sie sind mir um ein paar Schritte voraus."

